
Am 26. April 2021 jährt sich zum zweiten Mal der Todestag der großen deutschen Schauspielerin Ellen Schwiers, die am 11. Juni 1930 in Stettin geboren wurde und am Starnberger See ihre letzte Ruhe fand. Ihr Leben war geprägt von einer tiefen Leidenschaft für die Schauspielkunst, einer bewegten Familiengeschichte und einem unermüdlichen Engagement für die Bühne und den Film. Ellen Schwiers war mehr als eine Schauspielerin – sie war eine Kraft, die mit ihrer Präsenz und ihrem Talent Generationen von Zuschauern in ihren Bann zog.
Ein Leben für die Kunst
Geboren als Tochter des Bühnenschauspielers Lutz Schwiers, wuchs Ellen in einer Welt auf, die von Theater und ständigen Ortswechseln geprägt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Familie in Hessen ein neues Zuhause, wo die junge Ellen zunächst praktische Berufe erlernte – sie absolvierte eine Ausbildung zur Bäckerin und später zur Gärtnerin. Doch die Bühne rief laut: Nach Schauspielunterricht bei ihrem Vater bestand sie die Schauspielprüfung und erhielt ihr erstes Engagement am Theater Koblenz. Dort sammelte sie nicht nur als Schauspielerin Erfahrung, sondern arbeitete zeitweise auch als Souffleuse, ein Beweis für ihre Vielseitigkeit und Hingabe.
1949 markierte der Film „Heimliches Rendezvous“ unter der Regie von Kurt Hoffmann ihren Eintritt in die Welt des Kinos. In den folgenden Jahrzehnten prägte Ellen Schwiers das deutsche Kino mit Rollen, die oft starke, verführerische und komplexe Frauen darstellten. Filme wie „Das Erbe von Björndal“, „Der letzte Zeuge“ oder „Der Satan mit den roten Haaren“ zeigten ihre Fähigkeit, Figuren zu verkörpern, die das Leben ihrer Mitmenschen auf den Kopf stellten. Auch auf der Bühne brillierte sie in anspruchsvollen Rollen wie der Buhlschaft in „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen, Lady Macbeth oder Lysistrata. Ihre Arbeit bei den Burgfestspielen Jagsthausen, wo sie 1984 sogar die Intendanz übernahm, unterstrich ihre Bedeutung für das deutsche Theater.

Eine Familie im Zeichen der Schauspielkunst
Ellen Schwiers’ Leben war nicht nur von ihrer eigenen Karriere geprägt, sondern auch von ihrer Familie, die ebenfalls tief in der Welt des Theaters verwurzelt ist. 1956 heiratete sie den Filmproduzenten Peter Jacob, mit dem sie zwei Kinder bekam: Katerina und Daniel Jacob, die beide in die Fußstapfen ihrer Eltern traten. Der tragische Verlust ihres Sohnes Daniel, der 1985 im Alter von nur 21 Jahren an einem Tumor starb, war ein schwerer Schlag. Dennoch zeigte Ellen Schwiers Stärke und gründete 1982 zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter Katerina das Tourneetheater „Das Ensemble“ Jacob Schwiers GmbH. Auch nach dem Tod ihres Mannes 1992 führte sie das Theater mit Hingabe weiter, und heute leitet ihre Tochter Katerina das Unternehmen. Ihre Enkelin Josephine Jacob setzt die Familientradition als Schauspielerin fort, ebenso wie ihr Bruder Holger Schwiers, der als Schauspieler und Synchronsprecher tätig ist.
Ein Abschied in Würde
In ihren letzten Lebensjahren litt Ellen Schwiers unter starken Schmerzen und dem Heyde-Syndrom, was sie zunehmend ans Bett fesselte. Dennoch bewahrte sie ihren starken Willen und ihre klare Haltung bis zuletzt. Sie starb am 26. April 2019 in ihrem Haus am Starnberger See und wurde, ihrem Wunsch entsprechend, eingeäschert. Ihr Tod hinterließ eine Lücke in der deutschen Kulturlandschaft, doch ihr Vermächtnis lebt in ihren Rollen, ihrer Familie und dem Tourneetheater weiter.

Ein Vermächtnis, das bleibt
Ellen Schwiers war eine Frau, die mit ihrer Kunst und ihrem Lebensweg inspirierte. Ihre Fähigkeit, komplexe Charaktere mit Tiefe und Leidenschaft darzustellen, machte sie unvergesslich. Ob auf der Leinwand, der Bühne oder im Leben – sie brachte Bewegung, Emotion und Wahrheit in alles, was sie tat. Zwei Jahre nach ihrem Tod erinnern wir uns an eine Künstlerin, deren Werk und Erbe weiterhin strahlen.

